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Bilderfluten und die Fotografie oder warum es ohne Bild im Marketing auch in KMU nicht geht

Ist das einzelne Foto heute noch etwas wert? Massen von, oft gut gemeinten aber schlecht gemachten, Bildern verstopfen die Wahrnehmung von uns Menschen. Sie verdrängen die wenigen anspruchsvollen Fotografien und rauben den letzten Nerv. Kaum eine Marketingkampagne oder -strategie verzichtet auf Bild- oder Fotounterstützung. Aber ist deren Wirkung überhaupt noch vorhanden? Von Videos und anderen Filmen abgesehen – sehen wir die einzelnen Bilder noch, auf Webseiten oder irgendwelchen Printmedien? Braucht es gar einen anderen Umgang mit der Bilderflut oder eine neue Perspektive diesbezüglich? Trotz der digitalen Bilderfluten geht es ohne Bild und somit eben ohne Foto im Marketing auch in KMU nicht.

Und wer das Buch von Lukas Glajc einmal in den Händen hält, der legt es nicht mehr weg bis es durchgelesen ist! Eine interessante Lektüre für alle diejenigen, die dem Foto und der Fotografie weit mehr abgewinnen können, als nur den Versuch eines Sieges bei der Pixelschlacht um den nächsten Aufmerksamkeitspokal machen zu wollen. Ich habe selten ein solch großen Spannungsbogen der Bildbetrachtung der Fotografie gelesen.

Bibliografische Angaben

  • Titel: Bilderflut und Fotografie
  • Untertitel: Kontemplative Betrachtungs- und Bedeutungsweisen im Zeitalter der Digitalisierung
  • Autor: Lukas Glajc
  • kartoniert: 230 Seiten, 14,5 x 20,5 cm
  • Verlag: Büchner-Verlag eG, Marburg, Oktober 2019
  • ISBN-13: 978-3-96317-174-1
  • Preis (D): 25,00 Euro

Hauptüberschriften aus dem Inhaltsverzeichnis

  • Einführung
  • Icons – kulturkritisch Perspektiven auf die „digitale Bilderflut“
  • Doppeldeutigkeit des fotografischen Bildes
  • Ideenhistorische Wurzeln der Kontemplation der Fotografie
  • Modernität der Kontemplation
  • Substitute der Kontemplation
  • Andacht trotz allem
  • Epilog
  • Literaturliste
  • Danksagung
  • Summary

Das Buch startet mit einer starken Behauptung:

Bilder sind das effektivste Mittel der zwischenmenschlichen Kommunikation.Lukas Glajc, Bilderflut und Fotografie, Büchner-Verlag eG, Marburg, Oktober 2019, Seite 9

Ob es sich bei der visuellen Kommunikation tatsächlich um das effektivste Mittel der zwischenmenschlichen Kommunikation handelt, kann gern noch mal diskutiert werden – aber sie ist eine hocheffiziente Form der Kommunikation! Bilder, und somit auch Fotografien, sagen tatsächlich mehr als 1000 Worte, wovon vielleicht ein kleinerer Teil vom Fotografen gar nicht so gemeint war.

Die Exzesse auf dem Felde der Sichtbarkeit sind beinahe im wörtlichen Sinne „vorprogrammiert“. Mit der Digitalisierung wird eine übersteigerte Bildproduktivität von Anfang an einkalkuliert. Lukas Glajc, Bilderflut und Fotografie, Büchner-Verlag eG, Marburg, Oktober 2019, Seite 25

Auf der einen Seite die wirkliche, immer größer werdende, digitale Bilderflut – auf der anderen Seite oft genug nichtssagende Fotografien mit gleichgradigem Lächeln und noch weniger sagenden Personen – völlige Einfallslosigkeit im Marketingeinheitsbrei. Der Gleichgültigkeit gegenüber des Platzhalters „hier muss (irgendein) Bild hin“ stellt der Autor dieses Buches eine spannende Reise zur Kontemplation in früheren Zeiten und deren Praxis in heutigen Tagen gegenüber.

Kontemplation in heutigen Zeiten?

Ja, genau das ist der Ansatz von Lukas Glajc! Er gibt sowohl dem an Fotografie, als auch dem an der Philosophie interessierten Leser zahlreiche Denkwerkzeuge und interessante Impulse an die Hand. Der Spannungsbogen reicht dabei von der Antike bis in die heutige Zeit.

Im Lichtbild verschmelzen Gegenwart und Vergangenheit zur Zukunft.Lukas Glajc, Bilderflut und Fotografie, Büchner-Verlag eG, Marburg, Oktober 2019, Seite 71

Die offensichtliche (mindestens) Doppeldeutigkeit eines digitalen Fotos durchleuchtet er genauso, wie die Frage nach dem tatsächlichen Ursprung der Fotografie, den er keinesfalls (nur) im 19. Jahrhundert verortet.

Ohne Bilder wären Computer ein Spielzeug der Mathematiker geblieben.Friedrich Kittler in „Schrift und Zahl. Die Geschichte des errechneten Bildes“, in: „Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder“ S. 201, hier zitiert aus Lukas Glajc, Bilderflut und Fotografie, Büchner-Verlag eG, Marburg, Oktober 2019, Seite 50

Fotografien und Marketing in kleinen und mittelständischen Unternehmen

Der Betriebswirtschaftler unter den Marketingfachleuten mag sich die Frage stellen, wie viele belanglose Bilder ein Kunde wahrnehmen muss, bis die Grenze des Nutzens jedes weiteren gesehenen Bildes erreicht ist? Welchen Nutzen haben belanglose, oft genug nichts Konkretes sagende, Bilder zum Transport einer Marketingbotschaft? Anders ausgedrückt:

Marketing mit belanglosen Bilder ist vermutlich besser als Marketing ohne Bilder – Marketing mit anspruchsvollen Bildern ist aber das beste Marketing.Sven Lehmann

Aus diesem Blickwinkel drängt sich eine These auf: Wenn Unternehmen, kleine, wie große Firmen, nichtssagende Bilder verwenden, die möglicherweise auch noch massenweise gleiche Anwendung finden und so sogar grotesk belanglos werden, müssen wir uns an dieser Stelle nicht über die Wirkungslosigkeit dieser Anstrengungen wundern. Es scheint nicht sinnvoll zu sein, Bilder und Fotos im Marketing zu benutzen, auf denen Menschen sind, die der Wahrnehmende nicht dem Unternehmen oder der Leistung zuordnen kann, oder deren Ausdruck und Körpersprache „nichtssagend weichgespühlt“ sind. Die Wirkung der selbst gemachten Bilder, egal wie gut oder schlecht sie gelungen sind, ist im Verwandten- und Bekanntenkreis sehr hoch. Ähnlich des Kindesbildes, das uneingeschränkte Aufmerksamkeit im bekannten sozialen Umfeld genießt.

Die „digitale Bilderflut“ ist eine ästhetische Totalität, die die Sichtbarkeit an ihr Limit bringt.Lukas Glajc, Bilderflut und Fotografie, Büchner-Verlag eG, Marburg, Oktober 2019, Seite 122

Die klare Ableitung aus den Erkenntnissen bei der Lektüre des Buches für die Verwendung von Fotos im Marketing von KMU kann nur sein, dass es relativ sinnlos ist, die digitale Bilderflut mit eigenen Fotos zu befeuern, wenn diese nicht einem gewissen Anspruch erfüllen.

Warum Sie dieses Buch lesen sollten?

Was der Autor nicht sagt, aber aus seinem letzten Kapitel (Andacht trotz allem) gut abgeleitet werden kann:

Andacht oder Tiefe erreiche ich durch Nichtscrollen, bewusstes Stehenbleiben, Innehalten, Nachdenken, mir (die) Zeit nehmen für die Betrachtung. Das kann ich übrigens überall tun! In einer Galerie mit zahlreichen Fotografien genauso wie beim Stopp meines Fingers beim Blättern im Buch oder online. Wer verantwortlich ist für das Nichtscrollen oder Stehenbleiben, das ist auch klar – jeder selbst natürlich. Welche Gründe es geben könnte, die Bilderflut der heutigen Tagen für sich ganz persönlich einzudämmen, dazu liefert der Autor eine Menge Lesestoff, weite Hintergründe und zahlreiche Querverweise. Das Buch ist trotz des Anspruches an eine Dissertation sehr gut zu lesen, manchen Begriff muss man möglicherweise nachschlagen, das macht die Lektüre aber um so interessanter.

Beispiel zur Kontemplation trotz digitaler Bilderflut – einfach länger betrachten bitte …

Lesen und erfahren Sie so mehr zum Thema Fotografie, Marketing und Bilder:

Hier schreibt der Unternehmensberater, Coach und Organisationsentwickler, mit viel Lust auf Marketing und Vertrieb. Ich bin auch Vortragsredner, Workshopleiter, Supervisor, Unternehmer seit 1991, Leipzig-, Eilenburg- und Berlin-Versteher sowie deutschsprachig weit unterwegs, von Herzen Nordsachse, Optimist in den meisten Fällen, Blogger, Fotograf, Trainer, auch Ausbilder für Autogenes Training – kurz: vielleicht auch dein Entwicklungsspezialist?
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