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Service-Verständnis in Deutschland oder warum ein Liter Wasser kostenfrei 50 Minuten nicht aufwiegen

Stellen Sie sich vor es kurz nach Freitag dem x. und Sie sind einfach unterwegs in Deutschland. Zugegeben es sind 37 Grad Celsius draußen, das macht den Tag vielleicht anders als andere Tage. Doch rechtfertigt das das Ertragen deutschen Service-Verständnis der edelsten Sorte? Ich weiß es nicht – nur weiß ich, wie Abhilfe geschaffen werden kann!

Der Tag beginnt damit, dass auf dem Abfahrts-Bahnhof die üblichen Schalteröffnungszeiten des Fahrkarten-Schalters kurzfristig geändert wurden – von 06.30 Uhr auf 08.00 Uhr – mein Zug fährt definitiv vorher. Der Fahrkartenautomat ist nicht so schlau, mir eine gültige Fahrkarte mit meinen erkauften Vergünstigungen bis nach Bad Hersfeld zu geben und nimmt auch nur Kleingeld. Der ICE in Leipzig kämpft mit einer ausgefallenen Klimaanlage. Doch das ist alles noch nicht so schlimm …

Ankunft in Bad Hersfeld

Einigermaßen nach Fahrplan und dem Ertragen der defekten Klimaanlage (die mit dem ersten halben Liter kostenfreien Wassers versüßt wurde) komme ich an mein geographisches Tagesziel – Bad Hersfeld. Ein Bahnhof wie jeder andere könnte man meinen. So ist es leider nicht. Nach dem „Reisezentrum“ muss man suchen und ein Cafe oder Restaurant gibt es nicht. Macht auch nichts, ich werde erwartet und abgeholt. Brechen wir also auf, die gastronomischen Errungenschaften in der Pampa zu ertragen. Ankunft im ersten Hotel am Platz – ähm in der Nähe vom Kirchplatz. Wir wollen eigentlich nur einen Kaffee und einen Tee trinken.

Service-Verständnis in Bad Hersfeld

Um einen Eindruck von dem Verständnis im Zusammenhang mit Service in diesem Haus zu bekommen:

Ein Gast sitzt schon da und hat bestellt. Der zweite Gast gesellt sich genau in dem Moment zum ersten Gast als dieser seine Bestellung gebracht bekommt. Die Bedienung ignoriert das und kommt erst 5 Minuten später auf die Idee den dazu gekommenen Gast nach seinen Wünschen zu fragen. Das was gebracht wurde ist allerdings weder ein überzeugender Kaffee noch ein wirklich ernst zunehmender grüner Tee. Nun denn sagte ich noch zu mir. Am Nebentisch nehmen drei Damen Platz, die sich auf Mittagessen freuen. Die erste Bedienung nimmt die Getränke-Bestellung entgegen und bringt sie dann auch. Dann geschieht über 20 Minuten nichts. Die Damen winken eine Bedienung heran. Auf die Frage, ob man etwas zu Essen bestellen könne lautet die Antwort: Ja, ab 12.00 Uhr! Ich schaue auf die Uhr. Es ist 11.50 Uhr. Ehrlich gesagt traute ich meinen Ohren nicht, aber es war genau so gemeint. Nach einigem Hin und Her und für mich beleidigend wirkenden Gesichtsentgleisungen des Personals entschieden sich die Damen das Haus sofort zu verlassen. Eine weise Entscheidung, wie ich meine.

Fisch kommt

Etwa 10 Minuten später wird an einem anderen Tisch bereits Fisch serviert. Abgesehen davon, dass ich nach der Geruchsprobe im Vorbeitragen jedem von dem Genuss des Leckerbsissens hätte abgeraten, konnte ich nicht verstehen, wann diese Herrschaften ihre Bestellung aufgegeben hatten, denn das musste ja sicher vor 12.00 Uhr geschehen sein.

Wir gehen

Kurz entschlossen entscheiden wir diesem traditionsreichem Haus den Rücken zu kehren und suchen nach einem Cafe. Der Bäcker macht in dieser Stadt am Montag erst um 14.00 Uhr auf – überaus interessant. Wir finden ein Restaurant und haben nach getaner Arbeit noch ein wenig Zeit. Ein Käsebrötchen soll es sein. Interessant: Es wird nur ein Messer als Besteck mitserviert. Die Garnitur ist umfangreich, musste aber mit den Fingern gegessen werden, ich wundere mich nicht mehr, sondern buche das unter dem Charm der Region ab.

Der Zug wartet … nicht!

Es ist Zeit aufzubrechen. Der Zug fährt in 20 Minuten – dachte ich. Auf dem Bahnhof sagt eine Stimme, dass der ICE über 30 Minuten Verspätung hat. Ich lese. Als der ICE ankommt, frage ich den Schaffner, ob wir den Anschluss in Erfurt noch bekommen – nein sagt er, aber ich gebe Ihnen einen Gutschein für unserer Restaurant. Dann warten in Erfurt auf den nächsten Zug. Der kommt pünktlich. An den Stadtgrenzen von Leipzig stoppt er. Letztlich werden wir im Hauptbahnhof über 40 Minuten Verspätung haben, angeblich wegen einer kaputten Weiche – wohl eher wegen sinnloser Bauarbeiten an einem noch sinnloserem Tunnel.

Der zweite halbe Liter H2O

Auf dem Bahnsteig bekomme ich Wasser in die Hand gedrückt – wegen der Verspätung. So habe ich heute ein Liter Wasser und einen Tee eingetauscht gegen über eine Stunde meines Lebens – notgedrungen. Ob meine Erlebnisse meine Zuversicht in das gute Service-Verständnis einiger Menschen und Unternehmen in Deutschland damit gestärkt ist, das entscheide ich zu einem späteren Zeitpunkt. Wie Abhilfe geschaffen werden kann, dass werde ich mir noch diese Woche überlegen. Vielleicht bekommen Sie ja auch ein Extra-Bonus …

Hier schreibt der Unternehmensberater, Coach und Organisationsentwickler, mit viel Lust auf Marketing und Vertrieb. Ich bin auch Vortragsredner, Workshopleiter, Supervisor, Unternehmer seit 1991, Leipzig-, Eilenburg- und Berlin-Versteher sowie deutschsprachig weit unterwegs, von Herzen Nordsachse, Optimist in den meisten Fällen, Blogger, Fotograf, Trainer, auch Ausbilder für Autogenes Training – kurz: vielleicht auch dein Entwicklungsspezialist?
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16.07.2007 - Artikel, Beratung - Kommentare per Feed RSS 2.0 - Kommentar schreiben -

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2 Kommentare zu “Service-Verständnis in Deutschland oder warum ein Liter Wasser kostenfrei 50 Minuten nicht aufwiegen”
  1. Knut O.E. Pankrath schreibt

    Armer Sven,

    komm erst mal zu Dir so völlig verwirrt von der so genannten Fahrt. Und wenn Du dem gefühlten Marktführer in Verspätungen und Verwirrungen beraterisch über das wahrgenomme Amateurtum hinaus auf die Gleise helfen magst, so würde ich gern besonders hilfreiche Rad- äh Ratschläge in der Rubrik auftragsloses Denken auf den Lösungsbäckern veröffentlichen.

    Sei gegrüßt nach dem Webmontag,
    Knut

  2. Sven Lehmann schreibt

    Hallo Knut!

    Ich weiß gar nicht, ob ich der Bahn da helfen will … ;-), aber vielen Dank für Deine Anteilnahme

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