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Pflege-Qualität in der Kritik – Auswege?

Qualität in der Pflege muss sich auch im Jahr 2016 noch verbessern!

Von katastrophalen Zuständen in der Pflege bis zu „Die Pflege ist besser als ihr Ruf“ wird derzeit über einen Bericht des MDS (Kontrollorgan des MDK) diskutiert. Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Fakt ist, dass es teilweise erhebliche Defizite in der Qualität der Pflege gibt, fakt ist aber auch, dass es erheblich viele Pflege-Mitarbeiter und Pflege-Führungskräfte gibt, die ihre Arbeit gut machen. Fakt ist aber auch, und das bringt der Bericht deutlich zum Ausdruck, dass gerade an der Ergebnisqualität der Prozesse in der Pflege gearbeitet werden muss.

Formalien sind in der Pflege meinst erfüllt, diese stehen aber kaum in einen signifikanten Zusammenhang zur Verbesserung der Pflege-Qualität und somit auch nicht zur optimalen Versorgung der Bewohner.

Deutliches Defizit – Der Pflege-Mitarbeiter wird nur fachlich betrachtet!

Nach dem Lesen des rund 200 Seiten langen Berichtes fällt eins deutlich auf. Der Mitarbeiter in der Pflege wird meist nur aus der pflege-fachlichen Seite betrachtet. Eine Tatsache, die in vielen Teilen der Wirtschaft heute schon praktisch beachtet wird, scheint in der Pflege-Branche erst noch Fuß fassen zu müssen. Es ist eben nicht nur von Bedeutung, dass die Mitarbeiter in der Pflege fachlich gut aus- und weitergebildet werden, sondern auch die Bereiche der

  • sozialen Kompetenzen
  • persönlichen Kompetenzen und
  • methodischen Kompetenzen

müssen zwingend entwickelt und / oder weiterentwickelt werden!

Personalentwicklung in der Pflege!?

Welche Bedeutung die Erweiterung des Ansatzes der Personalentwicklung in der Pflege hat, kann man sehr gut an einer paradoxen Erkenntnis aus dem MDS-Bericht entnehmen. Auffällig liest sich die Tatsache, dass es in der stationären Pflege den Einrichtungen mit einem zertifizierten Qualitäts-Management (der Anteil ist mit 3,7 Prozent der geprüften Einrichtungen, die ein Qualitäts-Management-System nach ISO-Norm umgesetzt haben, recht gering) nicht gelungen ist …

… nennenswert bessere Werte bei der Ergebnis-Qualität … (der Pflege) … zu erreichen. 2. Bereicht des MDS nach § 118 Abs. 4 SGB XI, Qualität in der ambulanten und stationären Pflege, Seite 78, Ergänzung in Klammern vom Autor

und noch bedenklicher …

Teilweise zeigen die Ergebnisse – insbesondere in der ambulanten Pflege – im Vergleich zu den nicht zertifizierten Einrichtungen sogar eine schlechtere Versorgungs-Qualität auf. 2. Bereicht des MDS nach § 118 Abs. 4 SGB XI, Qualität in der ambulanten und stationären Pflege, Seite 78

Um es deutlich zu sagen: Es werden viele Ressourcen, viel Zeit und letztlich auch Geld in die Hand genommen, in guter Absicht, und … man erzielt keinen Effekt oder verschlechtert sogar noch die Qualität! Da kann von Effektivität und Effizienz der eingesetzten Mittel kaum die Rede sein!

Mögliche Gründe?

Welche Gründe könnte es geben, die erklären, wieso selbst nach umfangreichen Anstrengungen immer noch (teilweise) große Defizite in der Qualität der Pflege in Deutschland existieren und das Investieren von Personal, Zeit und Geld zu wenig Effekte bringt?

Die wesentlichen Gründe, die ich aus meiner Beratungspraxis erkenne sind:

  1. Die Einführung eines zertifizierten Qualitäts-Management-Systems ist nur Makulatur und gipfelt in einem grandiosen Indenschrankstellen eines überteuerten Papierordners (das ist dann das Qualitäts-Handbuch). Es fehlen sinnvolle Konsequenzen im Alltag. Wir machen das schon immer so, also auch in Zukunft!
  2. Die betroffenen Mitarbeiter werden nicht in den Entwicklungs-Prozess hin zur neuen Qualität einbezogen. Es wird ein theoretisches Konzept entwickelt, das nicht an die besonderen Gegebenheiten der Einrichtung angepasst wird.
  3. Die Verhaltensweisen von Führungskräften und Mitarbeitern verändern sich nicht, weil gar keine erkennbaren neuen (gemeinsamen!) Ziele (auch und gerade Verhaltensziele!) definiert wurden. Ist wirklich jedem Mitarbeiter klar, was es heißt, wenn der Chef die neue Order verkündet: „Wir müssen jetzt verstärkt an den neuen Zielen der Qualität arbeiten“?
  4. Die Führungskräfte stehen nicht hinter den geplanten Veränderungen oder resignieren ob des oft sehr fordernden Alltages.
  5. Den Mitarbeitern einer Organisation ist oft nicht klar, was genau sie ändern müssen, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Diese Ziele und Teil-Ziele müssen letztlich durch die Führungskräfte vermittelt werden, passiert das nicht, war jede Mühe umsonst!
  6. Es herrscht ein regelrechter „Veränderungs-Frust“, da die Pflege-Brache in den letzten Jahren tatsächlich eine große Entwicklung (wie auch der Bericht zeigt, vielfach eine positive Entwicklung) schon hinter sich gebracht hat und die Pflegenden die Orientierung verloren haben, was aktuell an „Neuerungen“ nun richtig und wichtig ist.
  7. Die Werte der Zusammenarbeit sind nicht klar oder werden nicht gelebt. Der Bereicht des MDS hebt die Bedeutung eines Pflege-Leitbildes heraus und die Tatsache, dass die Mitarbeiter diese Grundaussagen kennen sollten. Die bloße Ausrichtung des Leitbildes einer Einrichtung auf die Pflege-Standards und das Pflege-Konzept reicht aber nicht aus. Neben wichtigen Aussagen zum Selbstverständnis der Mitarbeiter und den wichtigsten Werten der Menschen in dieser Einrichtung, fehlen auch oft Richtlinien des gemeinsamen Umgangs, ob in Kommunikation, bei Konflikten oder einfach bei den vielen kleinen Dingen des täglichen Arbeitens.
  8. Für Veränderungs-Prozesse wird oft zu wenig Zeit veranschlagt! Die Verantwortlichen werden ungeduldig, wenn „ressourcen-fressende“ Prozesse nicht schnell genug Ergebnisse zeigen.

Letztlich scheitern Projekte selten an den fachlichen Kenntnissen und dem Können der betroffenen Menschen sondern eben gerade an den gruppendynamischen Prozessen im Team. Dabei geht es meistens um die Art und Weise der gemeinsamen Kommunikation (Sprache, Körpersprache), sich entwickelte (oder nicht vorhandene!) Rituale, die gut oder eben nicht gut für die Zukunft sind oder unbewusste Werte-Konflikte.

Auswege zur Verbesserung der Pflege-Qualität

Aus meiner Erfahrung wird der „Faktor“ Mensch dabei zu wenig beachtet. In anderen Bereichen der Gesellschaft und der Wirtschaft ist die Entwicklung eines Bildes vom ganzheitlichen Menschen und Mitarbeiter (fachliches Wissen und Können, soziale, persönliche und methodische Kompetenzen) oft im Alltag angekommen und spiegelt sich in den Kulturen und letztlich den Ergebnissen von Organisationen oder Unternehmen positiv wider. Es ist für alle Beteiligten oft erstaunlich, welch teilweise einfachen, aber effektiven, Mittel – regelmäßig angewendet – zu dauerhaften Verbesserungen im Pflege-Alltag führen können. Auch scheint es mir angebracht die zusätzlichen Investitionen, zweifellos kostest Team-Entwicklung oder Supervision oder Coaching usw. Geld, den Kosten gegenüberstellen, die durch die aufgetanen Problemfelder entstehen.

Fazit

Von katastrophalen Zuständen in der Pflege zu sprechen oder zu schreiben, das halte ich allerdings für zu pauschal und für ein wenig zu sehr dem Titel-Stil einer bestimmten großen deutschen Tageszeitung verfallen! Auf der anderen Seite ist es natürlich auf keinen Fall hinnehmbar, das ein Teil der Pflegebedürftigen nicht ausreichend versorgt wird! Um diese Defizite aber wirklich in den Griff zu bekommen, muss auch dem Pflegenden Menschen wesentlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, als das bisher geschieht!

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Hier schreibt der Unternehmensberater, Coach und Organisationsentwickler, mit viel Lust auf Marketing und Vertrieb. Ich bin auch Vortragsredner, Workshopleiter, Supervisor, Unternehmer seit 1991, Leipzig-, Eilenburg- und Berlin-Versteher sowie deutschsprachig weit unterwegs, von Herzen Nordsachse, Optimist in den meisten Fällen, Blogger, Fotograf, Trainer, auch Ausbilder für Autogenes Training – kurz: vielleicht auch dein Entwicklungsspezialist?
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