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Probleme der Personalentwicklung in der Pflege – Wenn Veränderungen Not tun!

Eilenburg - Kiessee, Veränderung, Supervision

Den Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen für alte und kranke Menschen bläst ein kräftiger Wind ins Gesicht. Auf der einen Seite erlebt die Branche seit einigen Jahren massive Veränderungen auf der anderen Seite sind die Belastungen des Arbeitsalltages permanent herausfordernd. Neben schweren körperlicher Belastungen spielen die vielfältigen psychischen Beanspruchungen eine bedeutende Rolle.

Personalentwicklung in der Pflege – Wenn Veränderungen Not tun!

Stellen Sie sich vor: Ihr Arbeitstag beginnt damit, dass Sie zu Hause mit dem Gefühl von absoluter Unlust starten. Sie wissen genau, was heute auf dem Programm steht und kennen all die kleinen Dinge, die von gestern unerledigt, unausgesprochen oder einfach belastend übrig geblieben sind. Vor einigen Tagen ist auch noch eine langjährige liebenswerte Bewohnerin gestorben. Das Abschiednehmen ist vielen schwer gefallen. Sie sagen sich: Gestern bin ich mit einem Kollegen aneinander geraten, weil wir unterschiedlicher Meinung bzgl. eines Bewohners waren. Wir wurden sogar laut während unserer Meinungsverschiedenheit …

Am Arbeitsplatz angekommen sagt man Ihnen, ein Kollege ist krank geworden und es stehen heute folgende zusätzliche Aufgaben auf dem Plan …

So ähnlich erleben es viele Pflegekräfte jeden Tag. Nun könnte man meinen, es müsse doch die Professionalität in diesem Beruf ausreichen, mit diesen spezifischen Herausforderungen zurechtzukommen. Doch weit gefehlt!

Welche Auswirkungen hat dieses Arbeitsumfeld auf den Einzelnen?

Wenn Sie jeden Tag Ihrer Berufung folgen (und glauben Sie mir, eine Mehrheit des Personals in Pflegeeinrichtungen empfindet ihren Beruf als echte Berufung!) treffen aber immer wieder an scheinbar unüberwindliche Probleme, dann entwickelt jeder irgendwann eine Abwehrreaktion. Das liegt u. a. daran, dass in einem solchen Fall derjenige lieber seiner Berufung folgt, als sich z. B. mit den Problemen im Team auseinanderzusetzen.

Da jeder Mensch Energie braucht (auch unbewusst) Unzulänglichkeiten (oder auch nur als solche empfundene) auszugleichen, können Sie recht häufig u. a. folgende Verhaltensweisen erkennen:

  • die Bereitschaft Konflikte anzusprechen oder auszutragen sinkt
  • Gespräche zwischen den Kollegen beschränken sich mehr und mehr auf rein dienstliche Aspekte, persönliche Inhalte oder einfach nur ein nettes Wort für den Anderen bleiben aus
  • die Arbeitsleistung sinkt langsam, aber stetig
  • oft treten innere Unruhe auf (innerer Konflikt zwischen dem Anspruch der aus der Berufung resultiert und der erlebten Realität)
  • Kleinigkeiten, Meinungsverschiedenheiten oder geringe Störungen im Ablauf werden überbewertet
  • Bemerkungen von Vorgesetzten oder Kollegen werden immer häufiger nur auf der Beziehungsebene wahrgenommen

Wie verändert sich das Zusammenwirken im Team unter ständiger psychischer Belastung?

Die Erlebniswelt des Einzelnen beeinflusst natürlich auch die Zusammenarbeit im Team oder allgemein die Kultur des Unternehmens. Welche Veränderungen sind in einem Team zu erkennen, das unter ständiger psychischer Anspannung steht?

  • soziale Rituale (z. B. gemeinsam Kaffee zu trinken) treten in den Hintergrund
  • die Team-Mitglieder haben sozusagen keine Lust über die Probleme zu sprechen
  • jeder glaubt (oft unbewußt): seine Probleme sind auch die des Anderen und da es alle so erleben, seien sie unlösbar
  • Probleme entstehen zunehmend in der Kommunikation und im Ablauf der Zusammenarbeit im Team
  • die Bewohner bekommen diese Anspannung deutlich mit
  • es kommt verstärkt zu Projektionen des eigenen Verhaltens (der Kollege hat das und das gemacht …!)
  • die Qualität der Arbeit insgesamt sinkt!
  • schrittweise verlieren die Gruppen-Mitglieder das gegenseitige Vertrauen

Das alles kann letztlich dazu führen, dass das Arbeiten in dieser Abteilung oder diesem Team für Einzelne sogar demotivierend ist. Eine Folge davon sind vermehrte Fehlzeiten durch Krankheit.

Johari-Fenster

An dieser Stelle spielt ein Denk- und Wahrnehmungs-Modell eine besonders große Roll: das Joharifenster.

Wenn wir nicht in der Arena agieren kommt es oft zu Energie-„Verlust“.

Was kann können Sie tun, um diesen Problemen entgegenzuwirken?

Oft ist es erstaunlich, welche einfach zu lösenden Problematiken innerhalb eines Teams zu den o. g. Symptomen führen. Diese sind aber den Menschen in einem Team oft nicht bewußt! Das sich die Arbeitseinflüsse (z. B. psychische Belastungen in der Pflege) kaum verändern lassen bleiben nur zwei Möglichkeiten:

Was kann der Einzelne tun?

Da es dem Einzelnen ja selten bewusst ist, dass er Probleme verdrängt, ist das natürlich eine schwierige Ausgangslage. Was kann er trotzdem tun? Möglichkeiten dazu sind:

  • grundsätzlich ist es immer sinnvoll mit seinen Kollegen „im Gespräch zu bleiben“, hier ist es oft die Einstellung, die verändert werden muss
  • zuhören und den Anderen ausreden lassen sind elementare Grundlagen für ein gutes Team-Klima
  • gefühlte (innere) Konflikte sich bewusst machen (z. B. Mit der Frage: Was genau ärgert mich daran jetzt?)

Was kann für das Team getan werden?

Um nur drei Beispiele zu nennen:

  • wichtig wäre das Festhalten an sinnvollen Ritualen ( ein Austausch an der Kaffee-Ecke kann viel dazu beitragen, Probleme aus der Welt zu schaffen)
  • Probleme im Team offen ansprechen
  • Feedback von außen beachten (Bewohner, Angehörige, Vorgesetzte etc.)

Personalentwicklung ist ein relativ einfacher Prozess. Kleine Veränderungen können große Auswirkungen in Zukunft haben. Es kommt allerdings auf das Vertrauen in die Menschen an! Sven Lehmann

Fazit

Leider ist das oft Wunschdenken! Wie oft reflektieren wir selbst, was genau schief läuft und an welcher Stelle wir etwas verbessern können? Dazu sind wir eben doch zu sehr Mensch, als das uns das so einfach gelingt.

Die Folgen liegen auf der Hand. Intrinsisch motivierte Menschen, die aus Berufung etwas tun, sind permanent frustriert und können nicht ihre optimale Arbeitsleistung vollbringen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind offensichtlich.

Lesen Sie weiter dazu:

Hier schreibt der Unternehmensberater, Coach und Organisationsentwickler, mit viel Lust auf Marketing und Vertrieb. Ich bin auch Vortragsredner, Workshopleiter, Supervisor, Unternehmer seit 1991, Leipzig-, Eilenburg- und Berlin-Versteher sowie deutschsprachig weit unterwegs, von Herzen Nordsachse, Optimist in den meisten Fällen, Blogger, Fotograf, Trainer, auch Ausbilder für Autogenes Training – kurz: vielleicht auch dein Entwicklungsspezialist?
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2 Kommentare zu “Probleme der Personalentwicklung in der Pflege – Wenn Veränderungen Not tun!”
  1. Rolf schreibt

    In den vergangenen ca. 20 Jahren ist in den Geschäftsfeldern(!) soziale und medizinische Hilfe eine etwas sonderbare Entwicklung zu beobachten gewesen. Der beruflichen oder weltanschaulichen Motivation der Helfer wurde ökonomische Professionalität als bessere oder rationalere Orientierung vorgeführt. Wer sich das ökonomische Umfeld seines Berufsfeldes dann unter ökonomischen Gesichtspunkten ansah, analysierte und rechnete, hat schnellstens versucht Land zu gewinnen. Zurück geblieben ist eine Mischung aus tatsächlich noch intrinsisch motivierten Helfern und Personal ohne andere Perspektiven. Eine brisante Personalmischung.
    Gruß Rolf (seit etwa 10 Jahren gerade rechtzeitig da raus :-))

  2. Sven Lehmann schreibt

    Das hast Du ja sehr treffend auf dem Punkt gebracht … aber es arbeiten noch tausende Menschen in der Alten- und Krankenpflege und man muß kein Prophet sein, um vorherzusagen, das wird noch mehr werden!

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