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Stadt- und Regionenmarketing – gestern bei der IHK in Delitzsch

Delitzsch - Am Wallgraben, Stadt- und Regionmarketing in Nordsachsen

Stadt- und Regionenmarketing – gestern bei der IHK in Delitzsch. Was tun für Leben in der Innenstadt? Was bedeutet überhaupt belebte Innenstadt? Genügt das Leben in der Wohnung nicht? Wenn es nach den Teilnehmern der gestrigen Veranstaltung der IHK in Delitzsch geht, dann muss mehr für das Leben auf Straßen und Plätzen in Weltkleinstädten getan werden. Leipzig hat das Problem in der zentralen Innenstadt nicht. Doch auch hier braucht es keine 15 Minuten Fahrt mit dem Rad und man würde Straßen entdecken, die nur noch in der Erinnerung belebte Einkaufs- und Flaniermeilen sind. Diese und andere Themen rund um Stadtmarketing, Leerstandmanagement und funktionierende Marketingkonzepte waren neben einer kleinen Stadtführung durch die Altstadt von Delitzsch das Programm der rund 20 Teilnehmer.

Bei Kaiserwetter die herrliche Altstadt von Delitzsch unter der Woche zu erkunden, das ist schon ein kleines Privileg. Neben den offensichtlichen Schönheiten der ehemaligen Kreisstadt wie dem aufwendig sanierten Barockschloss, dem dazugehörigen Garten oder der Ev. Stadtkirche St. Peter und Paul geht die kurze Tour auch vorbei am Schulze-Delitzsch-Center, einer Immobilie, die gleichzeitig als Symbol für den Bau-Enthusiasmus, die Aufbruchstimmung und die völlig verfehlte Stadtplanung kurz nach der Wende steht. Der Leerstand heute, der seit Jahren mitten in einer der intaktesten Altstädte Nordsachsens liegt, hält seit Jahrzehnten an und liegt heute bei fast 100 Prozent aller Gewerbeflächen dieser Immobilie.

Symbol für das mangelnde Leerstandmanagement in Kleinstädten – das Schulze-Delitzsch-Center, hier hoffnungsvoll von der Abendsonne durchflutet.

Delitzsch - Schulze-Delitzsch-Center, fast 100 Prozent Leerstand der Gewerbeflächen

Delitzsch – Schulze-Delitzsch-Center, fast 100 Prozent Leerstand der Gewerbeflächen mitten in der Innenstadt

Wenn der einzige Grund, die Wohnung zu verlassen, das Einkaufen ist, dann …

Wie zugkräftig Lebensmitteldisconter, Shop-in-Shop-Systeme oder das Konzept „Alles unter einem Dach“ sein können, das zeigt sich am Beispiel der Innenstadt von Delitzsch einmal mehr. Die Breite Straße in Delitzsch und die Lange Straße in Grimma verbindet genau dieselbe Problematik. Das Sterben des Lebens oder besser der Lebendigkeit in den Straßen. Seifen, Parfüms, Kämme und Bürsten, ein traditionsreiches Geschäft, das in der Breiten Straße vom Inhaber aus Altersgründen geschlossen wurde, kann als zweites Symbol für diese Entwicklung stehen.

Delitzsch - das Geschäftesterben in der Breiten Straße, traditionelles Geschäft als Symbol des Leerstandes.

Delitzsch – das Geschäftesterben in der Breiten Straße, traditionelles Geschäft als Symbol des Leerstandes.

Für Delitzsch sehen die Teilnehmer die Ursache klar auf der Hand: Praktisch am gegenüberliegenden Ende der Innenstadt, dem Unteren Bahnhof der Stadt, mit seiner großen Konzentration von Supermarkt & Co. wird die gesamte „Begängnis“ aus der Altstadt ab dem Beginn der Breiten Straße abgezogen.

Der seit Jahren misslingende Versuch einer Belebung des Frischemarktes auf dem herrlichen Markt von Delitzsch ist nur eine, aber fast schon grotesk anmutende Auswirkung. Lediglich ein „Hähnchenwagen“ hält tapfer die Stellung hier.

Delitzsch - der Frischemarkt besteht seit Jahren aus einem "Hähnchenwagen"!

Delitzsch – der Frischemarkt besteht seit Jahren aus einem „Hähnchenwagen“!

Das bringt uns direkt zu einer interessanten Fragestellung: Was passiert eigentlich, wenn der einzige Grund zum Verlassen der Wohnung oder des Hauses in einer Wohnstadt das Einkaufen ist? Genau das! Eine herrliche aber tote Altstadt, die puppenstubenartig von vereinzelt umherstreifenden Menschen an Hand ihrer Fassaden und Fenster wahrgenommen wird. Die Konzepte zur Belebung der Lebendigkeit im Zentrum einer Kleinstadt ausschließlich mit Handel und Gastronomie werden nie wieder so funktionieren, wie das vielleicht vor 50 Jahren noch Alltag in diesen Städten war! Es braucht andere Gründe und Motive, warum sich Menschen auf die Straßen und Plätze von kleinen Städten begeben sollten, die gilt es zu entwickeln und herauszufinden.

Das herrliche Barockschloss Delitzsch

Im Anschluss an den Altstadtrundgang versammelten sich die Teilnehmer im Schlosskeller des tollen Schlosses der Stadt. Der erste Vortrag stelle die Stadtmarketingsituation in den Mittelzentren des IHK Bezirkes Leipzig dar, der zweite Vortrag reflektierte unter anderem die Fragen:

  • Wofür steht eine Stadt?
  • Was ist der Markenkern einer Stadt oder einer Region?
  • Mit welchen Inhalten wirbt eine Region?
  • Welchen Nutzen hat Kooperation, wenn es um Stadt- und Regionenmarketing geht?
  • Welche Ideen sind derzeit „in“?

Wie immer gibt es keine Patentrezepte, aber eine Erkenntnis kristallisierte sich aus der lebhaften Diskussion im Ausschluss heraus: Ohne profunde AUFWERTUNG des Marketings im Budget von Weltkleinstädten wird sich an dieser Situation zumindest nichts positives ändern! Man könnte es auch auf eine einfache Formel bringen:

Keine Idee(n), keine Identität, nichts was auch nur entfernt an Alleinstellung zur Bewegung in die Stadt motivieren kann, lässt die Innenstädte weiter zu Wohnstätten mutieren. Sven Lehmann

Turm und Eingang des Barockschlosses in Delitzsch

Barockschloss in Delitzsch - Archiktekturperle in Nordsachsen

Barockschloss in Delitzsch – Archiktekturperle in Nordsachsen

Die Bedeutung eines Leitbildes und des iterativen Prozesses diese Leitbild mit Leben zu füllen, muss bei allen Akteuren ins Bewusstsein rücken! Dabei alle interessierten Bürger, Händler, Gewerbetreibende mitzunehmen sollte eigentlich Kern jeder Arbeit der Stadtoberen sein. Der Alltag diesbezüglich schaut oft erheblich anders aus.

Delitzsch - Ev. Stadtkirche St. Peter und Paul

Delitzsch – Ev. Stadtkirche St. Peter und Paul

Einen kleinen Wermutstropfen gab es leider auch bei unserem Stadtrundgang. Die Gruppe wurde auch in einer Kurzpräsentation durchs Schulze-Delitzsch-Haus geführt, übrigens eine tolle Ausstellung rund um die Gründer der Genossenschaftsidee. Leider beanspruchte die sympathische Gastgeberin die Gründung der ersten Kreditgenossenschaft auch für Delitzsch, was schlicht falsch ist, da diese nachweislich in Eilenburg stattfand. Ein wenig Lokalpatriotismus sei an dieser Stelle erlaubt.

Die erste Kreditgenossenschaft in Deutschland wurde natürlich in Eilenburg begründet!

Die erste Kreditgenossenschaft in Deutschland wurde natürlich in Eilenburg begründet!

Fazit

Auf jeden Fall eine profunde Veranstaltung in einer tollen kleinen Stadt, die jeden Besuch wert ist! Solche Treffen braucht es viel mehr. Solche Diskussionen müssen regelmäßig organisiert werden.

Hier schreibt der Unternehmensberater, Coach und Organisationsentwickler, mit viel Lust auf Marketing und Vertrieb. Ich bin auch Vortragsredner, Workshopleiter, Supervisor, Unternehmer seit 1991, Leipzig-, Eilenburg- und Berlin-Versteher sowie deutschsprachig weit unterwegs, von Herzen Nordsachse, Optimist in den meisten Fällen, Blogger, Fotograf, Trainer, auch Ausbilder für Autogenes Training – kurz: vielleicht auch dein Entwicklungsspezialist?
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